Samstag Oktober 18, 2014 at 12:10

6 Anmerkungen
“In einer Reihe hervorragender Untersuchungen des Genozids in Bosnien hat Arne Johan Vetlesen dargestellt, daß aufgrund einer fehlenden Basis jeder nicht beteiligte, indifferente oder nur mäßig interessierte Zaungast des Geschehens zum herausragenden und gehaßten Feind der Gemeinschaft werden kann: »Aus Sicht derjenigen, die den Genozid vorantreiben, stellen die nicht beteiligten Zuschauer ein Potential dar […], das dem Treiben Einhalt gebieten könnte.« (Arne Johan Vetlesen, »Genocide: a case for the responsibility of the bystander«,1998) Egal ob dieses Potential sich realisiert oder nicht, die Anwesenheit als Zaungast des Geschehens (als jemand, der nichts unternimmt, um den gemeinsamen Feind zu vernichten) erscheint als Herausforderung der einzigen strukturbildenden Unterscheidung, aus der eine explosive Gemeinschaft ihre raison d’être formt: Es ist eine Situation des »entweder wir oder die anderen«, aus der heraus die Vernichtung der »anderen« für »unser« Überleben unabdingbar und die Tötung der »anderen« zur Bedingung sine qua non unseres Überlebens wird. Da die Mitgliedschaft in der Gemeinschaft weder vorgegeben noch sonst irgendwie institutionell gesichert ist, verbleibt die »Bluttaufe« (mit dem Blut der anderen), also die persönliche Teilnahme am kollektiven Verbrechen, als einzige Möglichkeit, sich der Gemeinschaft anzuschließen, und die einzige Legitimation für dauerhafte Mitgliedschaft. Anders als im Fall des staatlich organisierten Genozids (und insbesondere natürlich anders als im Fall des Holocaust) darf der Genozid als Geburtsritual explosiver Gemeinschaften nicht den Experten oder speziell beauftragten Abteilungen und Einheiten überlassen werden. Es geht hier weniger darum, wie viele »Feinde« getötet wurden, als vielmehr darum, wie zahlreich die Mörder waren.
Es geht auch darum, daß die Morde sichtbar, offen und bei Tageslicht begangen werden, daß es Zeugen des Verbrechens gibt, die die Täter beim Namen kennen – so daß Rückzug und Versteck vor der Rache unmöglich wird und den Tätern nur mehr die Flucht in die aus dem ursprünglichen Verbrechen geborene Gemeinschaft bleibt. Ethnische Säuberungen greifen, wie Arne Johann Vetlesen in seiner Untersuchung herausfand, »die vorhandene Nähe von Täter und Opfer auf, erhalten diese Nähe, und wo sie nicht vorhanden ist, wird sie geschaffen, die Nähe wird auf Dauer gestellt, sie darf nicht verblassen. Bei diesen Akten hochgradig personalisierter Gewalt wurden ganze Familien gezwungen, Zeuge von Folter, Vergewaltigung und Mord zu sein.« (Arne Johan Vetlesen, »Yugoslavia, genocide and modernity«, 1999) Auch hier zeigt sich wieder ein Unterschied zum Genozid alter Prägung vom Typ Holocaust: Zeugen sind ein unerläßlicher Bestandteil in der Mischung der Zutaten, aus denen eine explosive Gemeinschaft entsteht. Eine solche Gemeinschaft kann nur dann (wenn auch oft fälschlicherweise) auf eine dauerhafte Existenz hoffen, wenn das ursprüngliche Verbrechen unvergessen bleibt, so daß ihre Angehörigen im Bewußtsein, daß es ausreichend Beweise gibt, solidarisch zusammenstehen, verbunden durch das gemeinsame Interesse, die Reihen geschlossen zu halten, um so die kriminelle Energie und Strafbarkeit ihres Verbrechens zu leugnen. Die sicherste Methode, diesen Zusammenhalt zu gewährleisten und die Erinnerung wachzuhalten, ist die periodische Wiederholung, die Begehung neuer Verbrechen.”

Zygmunt Bauman, »Flüchtige Moderne«, 2003, Frankfurt/M.: 230f.

Donnerstag Oktober 16, 2014 at 22:02

347 Anmerkungen
undr:

Dr. S. J. Ruzicka
Penn Station, New York, 1929

undr:

Dr. S. J. Ruzicka

Penn Station, New York, 1929

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Donnerstag Oktober 16, 2014 at 22:00

146 Anmerkungen

The countless agencies of mass production and its culture impress standardized behavior on the individual as the only natural, decent, and rational one.

Individuals define themselves now only as things, statistical elements, successes or failures.

— Max Horkheimer and Theodor W .Adorno. Dialectic of Enlightenment (via whatupwally)

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Donnerstag Oktober 16, 2014 at 21:54

299 Anmerkungen
undr:

Lou Bernstein
Delancey St. Roof Top, 1963.

undr:

Lou Bernstein

Delancey St. Roof Top, 1963.

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Donnerstag Oktober 16, 2014 at 21:53

29 Anmerkungen

animal-cross-dressing:

Hot Cross | Lend Me Your Brain (I’m Building an Idiot)

(Quelle: thewanderinguterus)

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Donnerstag Oktober 16, 2014 at 21:53

710 Anmerkungen
undr:

Eve Arnold
Schoolgirl in Kuban, 1965

undr:

Eve Arnold

Schoolgirl in Kuban, 1965

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Donnerstag Oktober 16, 2014 at 21:52

132 Anmerkungen

medicine—poison:

Pg.99 | Murder, Conductor

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Donnerstag Oktober 16, 2014 at 21:50

8 Anmerkungen
“Die Bourgeoisie hatte in Frankreich und England politische Macht erobert. Von da an gewann der Klassenkampf, praktisch und theoretisch, mehr und mehr ausgesprochne und drohende Formen. Er läutete die Totenglocke der wissenschaftlichen bürgerlichen Ökonomie. Es handelte jetzt nicht mehr darum, ob dies oder jenes Theorem wahr sei, sondern ob es dem Kapital nützlich oder schädlich, bequem oder unbequem, ob polizeiwidrig oder nicht. An die Stelle uneigennütziger Forschung trat bezahlte Klopffechterei, an die Stelle unbefangner wissenschaftlicher Untersuchung das böse Gewissen und die schlechte Absicht der Apologetik”

Marx, Karl: Das Kapital Band 1. Der Produktionsprozess des Kapitals. Berlin, Dietz-Verlag (1973), S. 21 (via abgrundtiefe)

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Donnerstag Oktober 16, 2014 at 11:05

15 Anmerkungen

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Mittwoch Oktober 15, 2014 at 17:02

2.095 Anmerkungen

teethvsteeth:

the world is a beautiful place and i’m no longer afraid to die | getting sodas

The world is a beautiful place
but we have to make it that way. Whenever you find home
we’ll make it more than just a shelter.
And if everyone belongs there
it will hold us all together.

If you’re afraid to die, then so am I

(Quelle: lackofabetterword)

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Montag Oktober 13, 2014 at 21:37

9 Anmerkungen

Veranstaltungen, die man demnächst in Halle besuchen kann:

hintergrundrauschen:

14.10.14: Ulrich Schuster und Lydia Jacobi - „Widerstand gegen sich selbst“ – Konsumkritik als subversive Praxis oder kapitalistische Selbstoptimierung? 19.30 | Radio Corax, Unterberg 11, Halle

18.10.14: Daniel Kulla - Am Geld kleben - Kapitalismus und Antisemitismus 20:00 | Reilstraße 78, Halle
22.10.14: Konrad - Die Kritik des Gegenstandpunktes. 19.30 | Radio Corax, Unterberg 11, Halle

25.10 – 26.10.14 Workshop: Einführung in die Kapitalismuskritik

28.10.14: Guido Sprügel - Ich inkludiere, Du inkludierst, Er/Sie/Es inkludiert - Über die Omnipräsenz eines Begriffes. 19:00 | Franckesche Stiftungen, Halle

30.10.14: Justus Wertmüller - Infantile Inquisition – Die neuesten Übergriffe der Definitionsmacht 19:00 | Reilstraße 78, Halle

19.11.14: Martin Blumentritt - Der Begriff der Natur bei Marx und Adorno. 19.30 | Radio Corax, Unterberg 11, Halle

09.12.14: Julian Kuppe - Ohnmacht und imaginäre Inszenierung. Zu einigen gegenwärtigen Erscheinungen des Verhältnisses von Natur, Individuum und Gesellschaft. 19.30 | Radio Corax, Unterberg 11, Halle

14.01.15: M. Schönwetter - Zum Verhältnis von Natur und Geschichte im Individuum – Psychoanalyse als Kritische Theorie des Subjekts bei Alfred Lorenzer. 19.30 | Radio Corax, Unterberg 11, Halle

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Montag Oktober 13, 2014 at 21:31

42 Anmerkungen

Travel Warning

thelatahexperience:

An EU-wide police operation with the name „mos maiorum“ is taking place from 13th to 26th of October. During two weeks 18.000 police forces will chase people without papers. They want to find out about our migration routes and arrest as many of us as possible. Please warn all people without papers! Increased controls are expected in trains, train stations, on airports, on highways and on inner-European borders.
Against fortress Europe.
No one is illegal.

Source and translations into German, Turkish, Hungarian, Arabic…: [x]

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Montag Oktober 13, 2014 at 21:29

17 Anmerkungen

annelueth:


http://travelwarning.blogsport.eu

An EU-wide police operation with the name „mos maiorum“ is taking place from 13th to 26th of October. During two weeks 18.000 police forces will chase people without papers. They want to find out about our migration routes and arrest as many of us as possible.

Please warn all people without papers! Encreased controls are expected in trains, train stations, on airports, on highways and on inner-european borders.

Against fortress Europe. No one is illegal.

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Samstag Oktober 11, 2014 at 19:21

4 Anmerkungen
“Mit Hilfe des Begriffs des Zeichens erschüttert man die Metaphysik der Präsenz. Von dem Augenblick an jedoch, wo man damit, wie ich es nahegelegt habe, beweisen will, daß es kein transzendentales oder privilegiertes Signifikat gibt und daß das Feld oder das Spiel des Bezeichnens von nun an keine Grenzen mehr hat, müßte man sogar den Begriff und das Wort des Zeichens zurückweisen. Gerade dazu ist man nicht in der Lage. Denn der Ausdruck „Zeichen“ wurde seinem Sinn nach stets als Zeichen-von, als auf ein Signifikat hinweisender Signifikant, als von seinem Signifikat unterschiedener Signifikant begriffen und bestimmt. Tilgte man die radikale Differenz zwischen Signifikant und Signifikat, müßte man das Wort für den Signifikanten selbst als einen metaphysischen Begriff aufheben. Wenn Lévi-Strauss in seinem Vorwort zu Le cru et le cuit schreibt, dass er versucht habe, den Gegensatz zwischen Sinnlichkeit und Intelligibilität zu überwinden, indem er sich sogleich auf die Ebenen der Zeichen begeben habe, so kann doch die Notwendigkeit, die Überlegenheit und Legitimität seines Vorgehens uns nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Begriff des Zeichens von sich aus den Gegensatz von Sinnlichem und Intelligiblen nicht überwinden kann. Er ist vollständig und in der Totalität seiner Geschichte von diesem Gegensatz bestimmt. Er hat ausschließlich aus diesem Gegensatz und seinem System gelebt. Wir können uns des Begriffs des Zeichens aber nicht entledigen, wir können auf seine metaphysische Komplizenschaft nicht verzichten, ohne gleichzeitig die kritische Arbeit, die wir gegen sie richten, aufzugeben und ohne Gefahr zu laufen, die Differenz in der Identität eines Signifikats mit sich selbst auszustreichen – eines Signifikats, das seinen Signifikanten in sich auflöst oder, was dasselbe ist, einfach von sich abstößt. Denn es gibt zwei ungleichartige Weisen, die Differenz zwischen dem Signifikanten und dem Signifikat auszustreichen: die eine, die klassische, besteht darin, den Signifikanten zu reduzieren oder abzuleiten, das heißt letztlich das Zeichen dem Denken unterzuordnen; die andere, die wir hier gegen die vorhergehende halten, besteht darin, das System, in dem diese Reduktion funktionierte, in Frage zu stellen: zuallererst die Entgegensetzung von Sinnlichem und Intelligiblem. Denn das Paradox dabei ist, dass die metaphysische Reduktion des Zeichens der Entgegensetzung bedurfte, die sie reduzierte. Die Entgegensetzung steht in einem systematischen Zusammenhang mit der Reduktion. Was wir hier über das Zeichen sagen, lässt sich auf alle Begriffe und auf alle Sätze der Metaphysik, insbesondere auf die Rede über ‚Struktur‘ ausdehnen. Es gibt jedoch mehrere Arten, in diesem Zirkel gefangen zu sein. Sie sind alle mehr oder weniger naiv, mehr oder weniger empirisch, mehr oder weniger systematisch, der Formulierung oder gar der Formalisierung dieses Zirkels mehr oder weniger nahe. Es sind dies die Unterschiede, die die Vielfalt der destruktiven Diskurse und die Uneinigkeit unter denen, die sie führen, erklären.”

Jacques Derrida: Die Struktur, das Zeichen und das Spiel im Diskurs der Wissenschaften vom Menschen. In: Jacques Derrida: Die Schrift und die Differenz: 425 f., Frankfurt am Main 1976.

Samstag Oktober 11, 2014 at 17:21

10 Anmerkungen

nancy14012013:

damezumari | halvsies (the metaphysics of presence)

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