Juni 2013
6 Einträge
Mittwoch | 12. Juni | Melanchthonianum | Universitätsplatz | Halle
Ästhetik des Widerstands – Politisierung der Kunst. Anmerkungen zu Faschismus, Avantgarde und Befreiung in der verwalteten Welt.
Roger Behrens (Hamburg)
Walter Benjamin forderte in seinem Aufsatz ›Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit‹ von 1936 gegen die Ästhetisierung der Politik eine Politisierung der Kunst. Welche Kunst und welche Politik waren damit gemeint? Benjamin stellte die Forderung zu einem Zeitpunkt, zu dem klar sein musste, dass die künstlerischen Avantgarden wie auch die emanzipatorische Linke gleichermaßen gescheitert waren: von den Versprechen der bürgerlichen Gesellschaft korrumpiert, vom Faschismus, Nationalsozialismus, aber auch Stalinismus vernichtet, schien sich unter Bedingungen des Terrors jede politische wie ästhetische Form der Kritik theoretisch wie praktisch zerschlagen zu haben. Und zwar nicht zuletzt deshalb – mithin ist das die dialektische Volte in Benjamins Postulat –, weil die Ästhetisierung der Politik eine Politisierung der Kunst tendenziell unmöglich macht, wie auch, könnte man hinzufügen, das kommunistische Projekt überhaupt. Gleichwohl finden sich in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts, ab Ende der vierziger Jahre und dann vor allem seit den Fünfzigern zahlreiche Versuche, diese Politisierung der Kunst umzusetzen, mit unterschiedlichsten Ansprüchen und Vorstellungen von dem, was »Politisierung« und was »Kunst« bedeutet – Abstrakter Expressionismus, Pop-Art oder der Antiformalismus des Sozialistischen Realismus sind hierfür paradigmatische Entwicklungen. Als »Politisierung der Kunst« entsteht jetzt (erst!) eine so genannte Gegenwartskunst – als konstitutives Segment der fortgeschrittenen Kulturindustrie, und damit als integrales Moment der Ästhetisierung der Politik. Überdies verdichtet sich in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts die Ästhetisierung der Politik zur ›Gesellschaft des Spektakels‹; und gegen diese kann eine Politisierung der Kunst nur in der doppelten Aufgabe gefasst werden kann: als Aufhebung von »Politik« wie »Kunst« gleichermaßen. Indes kann »Politisierung der Kunst« jedoch auch heißen, gerade in Konfrontation zur Ästhetisierung der Politik, dass sich die radikale Kritik beziehungsweise die wirkliche Bewegung auf die vorhandene Kunst beschränken muss, also in der Kunst ein Abseits, einen Zufluchtsort, ein Exil, einen Überlebensraum findet, wenn unter gegebenen Bedingungen eine emanzipatorische Politik als revolutionäre Praxis gesellschaftlich nicht mehr machbar ist. »In der Kunst« meint dabei nicht, politische Praxis in die Praxis des Künstlers umzuwandeln, im Sinne von »Kunst machen«, sondern: sich auf die Auseinandersetzung mit der Kunst und den Künsten einzulassen – und das heißt: revolutionäre Praxis, die als praktische Revolution außer Kurs gesetzt ist, in die – letztendlich bereits musealisierte – Kunst zu verlegen, um dort Geschichte als Ästhetik des Widerstands fortzusetzen. Diese Ästhetik des Widerstands findet in der Kunst und den Künsten ihren Fluchtpunkt, der auch Ausgangspunkt ist; insofern ist die Ästhetik des Widerstands nicht auf die Kunst beschränkt, nicht an die Künste gebunden. (Es ist keine Rettung der Kunst, um der Kunst willen; nur so ist die Ästhetik des Widerstands in ihrer reflexiven Ambivalenz zu verstehen, widerständige Ästhetik und ästhetischer Widerstand zu sein. Die Ästhetik des Widerstands als Auseinandersetzung mit der Kunst und den Künsten ist zugleich Auseinandersetzung mit der Geschichte, mit der Vergangenheit, ihrem Ungleichzeitigen und Unabgegoltenen; und diese Auseinandersetzung ist als Ästhetik des Widerstands auch der Versuch, sich als historisches Subjekt seine Identität zu sichern: als »verlebendigte Erfahrung«). ›Die Ästhetik des Widerstands‹ ist der Titel eines Romans von Peter Weiss, geschrieben und veröffentlicht 1975 bis 1981. Anfang der achtziger Jahre gründen sich zu dem Buch zahlreiche Lesegruppen; die Auseinandersetzung mit dem Roman steht im Kontext der gesellschaftlichen – und im engeren Sinne »politischen« – Entwicklungen der siebziger und frühen achtziger Jahre; sie ist wesentlich nicht akademisch organisiert, sondern wenn institutionell, dann eher gewerkschaftlich. Viele junge Leute beteiligen sich. Die Lektüre des umfangreichen Buchs erweist sich als sperrig. Auch wenn es sich um einen Roman handelt, wird ›Die Ästhetik des Widerstands‹ als Theorieentwurf diskutiert; allein der Titel hat theoretisches Potenzial, klingt schon nach einer emanzipatorischen Parole. Thematisiert wird das – damals ohnehin virulente – Problem einer Aufarbeitung der Vergangenheit, für die Peter Weiss’ ›Ästhetik des Widerstands‹ als Modell genommen wird. Doch es geht nicht unmittelbar um die Vergangenheit, die Weiss als Gegenwart beschreibt (die nazideutsche Gesellschaft), sondern um das Nachleben dieser Vergangenheit in der Gegenwart. Der Faschismus, von dem ›Die Ästhetik des Widerstands‹ handelt, korrespondiert mit den Veränderungen der Verhältnisse von Individuum, Gesellschaft und Staat in der Zeit, in der Peter Weiss’ Roman erscheint – und die von vielen, die den Roman diskutieren, als »Faschisierung« begriffen wird. Im Verlauf der neunziger Jahre verschwindet das Interesse an Peter Weiss und der emanzipatorischen Aktualisierung der ›Ästhetik des Widerstands‹; die wirkliche Bewegung der radikalen Linken läuft ins Leere, die Versuche einer Politisierung der Kunst wenden sich ins affirmativ-banale – wobei mit der Ausweitung des »Kunstfeldes« gleichzeitig ein umfangreiches und vielfältiges »Politisch-Werden« der Kunst reklamiert wird, das sich in der allgemeinen kulturellen Formierung widerspiegelt. Wenn sich nun heute eine Ästhetik des Widerstands verwandelt als »Ästhetik der Politik« beziehungsweise die Politisierung der Kunst als »Politik des Sinnlichen« wiederholt, ist zu diskutieren, ob das konsequente Aktualisierungen oder ebenfalls konsequente Depotenzierungen kritischer, geschichtsmächtiger Praxis sind.
Ein Vortrag im Rahmen der Reihe “Kunst und Gesellschaftskritik in Zeiten der Kulturindustrie“ der Gruppe Kritische Intervention
From 3 To 1 In 2 And 4 - Raein
Vortrag und Diskussion mit Gerhard Stapelfeldt
6. Juni | 18 Uhr | Universität Leipzig (GWZ) | Raum 2.010Die Verwandlung der Universitäten in Wissensbetriebe zur Produktion von ökonomisch verwertbarem Wissen und von “Humankapital” folgt der Geschichte der “Zerstörung der Vernunft” (Lukács) und ist insofern keineswegs ein neues Phänomen. Neu ist jedoch die neoliberale Form dieses Verfalls der Bildungs-Utopie. Sie wurde nach 1990 eingeleitet im Kontext des europäischen Binnenmarktes und der Gründung der WTO. Der Start wurde 1999 in Bologna gegeben. Durch die Universitätsreform soll sich, nach dem Willen der EU, Europa in den weltweit größten und dynamischsten wissensgestützten Markt verwandeln.
Die Folgen dieser Reform sind vielfältig. Ökonomisch nicht verwertbares Wissen, das vor allem in den Geisteswissenschaften erarbeitet wird, wird nicht mehr gebraucht. Die Forschung wird nicht auf Wahrheit, sondern auf ökonomische Werte verpflichtet. Die Lehre spielt nur noch eine untergeordnete Rolle. Das Studium gilt nicht mehr der Bildung, sondern reproduzierbarem, verwertbarem Wissen. Überall, zwischen und in den Universitäten, herrscht der Wettbewerb. Jeder kalkuliert und evaluiert jeden und sich selbst. Es entsteht ein Wettlauf, um zur Elite zu gehören. Das gelingt nur durch Anpassung an den Zeitgeist. Die neoliberale Universität zerstört die Idee der Bildung, setzt die Lehre herab, verwandelt Studierende in autoritäre Charaktere und läßt die Idee der Wahrheit hinter sich.
Das alles geschieht unter der proklamierten Zielsetzung, Forschungsleistungen zu steigern und die Lehre effektiver zu gestalten. Die Universität wird reformiert, bis sie – als Utopie und als deren ideologische Erscheinungsform – liquidiert ist. Darum gilt es den “Bologna-Prozess” nicht zu “reformieren”, sondern theoretisch und praktisch zu kritisieren, also abzuschaffen.Gerhard Stapelfeldt war bis 2009 Professor für Soziologie an der Universität Hamburg und ist u.a. Autor von “Der Geist des Widerspruchs. Studien zur Dialektik” (ça ira Verlag).
Arbeitskreis Gesellschaftskritik
Studentische Initiative an der Universität Leipzig
Neben der noch laufenden Kunstreihe beginnt kommenden Mittwoch eine religionskritische Vortragsreihe der Gruppe Kritische Intervention Halle:
5. Juni * Lars Quadfasel (Hamburg) Der Heiligen Schein des Kapitals. Zur Kritik von Religion und Religionskritik Ort: Melanchthonianum, Uniplatz / 19 Uhr
24. Juni * Jens Köhrsen (Uni Bielefeld)
Religiöse Präferenzen, Identifikation und Abgrenzung am Beispiel der Pfingsbewegung in Argentinien10. Juli * Martin Dornis (Leipzig)
Der Materialismus und die Auferstehung17. Juli * Felix Riedel (Uni Marburg)
Hexenjagden heute – Ideologie und VerfolgungspraxisFortsetzung im Wintersemester
26.November * Samuel Salzborn (Uni Göttingen)
Christlicher Judenhass. Monotheismus, Christentum und die Genese des Antisemitismus10.Dezember * Robert Schnepf (Uni Halle)
Religionskritik bei Hegel, Feuerbach und Marx(wird fortgesetzt)
Mai 2013
50 Einträge
Beau Navire || Dead End, Start Over
Can’t we just fucking devolve our society’s modern romance ideals? The smallest things you do mean the most to me. Every time you cry, I’ll try to make things right. Let me touch your face and see your eyes. I’m trapped here with you. Breathe deeper, wake up, it’s happening. Breathe deep, wake up, it’s happening
[…]
Die Trennung von Theorie und Praxis ist eben ihrerseits eine Gestalt des verdinglichten Bewußtseins.” —Theodor W. Adorno (2007, zrst. 1965): Vorlesung über negative Dialektik. Fragmente zur Vorlesung 1965/66, Hg.: Tiedemann, Frankfurt a. Main, Suhrkamp: S. 83 (via hassalleingenugtnichtmehr)
Life Long Tragedy “Roll The Credits”
I can’t stop thinking
That inside something’s missing
Instead of guessing
I’ll stop breathing
My heart beats
Desperate to succeed
I hear them sing
But I’m still screaming
Opportunities missed
And chances blown
The story of my life
But that’s just how it goes
Everyone and everything
Are always in search for something
This generation was born blind
They’re not even looking
Their eyes are open
But they don’t see a fucking thing
Opportunities missed
And chances blown
This is my heart
And that’s all I’ll ever show
Everyone and everything
Always in search for something
A generation born blind
They’re not even looking
I write these words
To save me
from what I chose
to never be
Fuck you
I know
in my heart
that I’ll get by
I know
that my life
is not built on lies
we were skeletons | tremors
It’s Only Getting Worse - whenskiesaregray
Lastletters | I don’t want to lie here anymore
It was a Saturday in my mother’s room, when I wrote this to confess to you. I’ve been thinking a lot about myself and this may seem like a bit too much, but I think it will help. Lately, things have been getting rough. I don’t know where to go with the way that I feel. If I told you once I guess that wasn’t enough. I’m still faced with the same old flaws, hoping one day to resolve them all.
There will be no trace of me to follow. There will be no trace of me at all. I move through life like a ghost through a field of fallen snow. You’ll find no trace of me at all.
So where do you go when you’re on your own, when the very thing that makes you who you are lends to an emptiness you can not ignore? Because the people that surround me now all lost their faith in happiness. We’re all losing ourselves to this bitterness. When nothing ever seems to change, when no one ever comes your way, when home is just a place to stay, you’ll lose yourself to the same old ways. I’m tired now, I must admit. It takes a lot to live with this, but I promise you I will never quit.
What am I to do with all of this time? All those details I remember way me down as I close my eyes. Even in my dreams there is no place to rest. Every moment carried over, each day like the rest.
alta ocean liners
I Would Set Myself On Fire For You | The First Word That Comes To Mind
My soul has shattered and fallen to the floor. I still remember your face and how beautiful you were to me.
Neil Perry | Becoming What You Hate
mio | bis zum hals
stumpfe laute drängen ins vakuum
durch risse schneidend
lechzende hände zur leere verzehrt
blutende arme / hilflos verwirrt
jedes wort eine lüge / eine zierde voll spott
rinnt in strömen / die galle bis zum hals
die fassade versteckt täuschend und schön
nackte erbärmlichkeit
dumpfes nichts umgreift das zweifelnde herz
verlockt / angewidert / verstört
die zähne gefletscht / hassvoll verzehrt
gegen das aussen / die spiegelnde wand
so bröckelt die trennung / das urteil verklärt
verwundete sehnsucht / greift ihhre nach halt
vom reiz umspeichelt
simple klarheit zur götze gestählt
warmer geifer
vergessen / verpasst
“Wenn das Individuum in der Moderne die bestehende Ordnung als eine ihm fremde und den anderen als seinen Gegner erfährt und doch zugleich die Ordnung als Voraussetzung seines Daseins und den anderen als den weiß, dessen es als ein nach Anerkennung verlangendes bedarf, dann ist das moderne Bewußtsein per se ein in sich widersprechendes. Die Zerrüttung, die wir, Hegel folgend, im Wahnsinn entdeckten, würde sich dann in der Struktur des modernen Bewußtseins selbst wiederfinden. Als Verrücktheit galt Hegel das Beharren auf dem Gesetz des Herzens deshalb, weil das Bewußtsein die bestehende Ordnung zugleich als nichtig und als wesenhaft fixiert. Das aber ist die Struktur des modernen Bewußtseins, wenn es die bestehende Ordnung einerseits als ihm fremde erfährt, andererseits aber als Bedingung seiner eigenen Existenz weiß.
Damit scheint der Gegensatz von modernem Bewußtsein und wahnsinnigem Bewußtsein sich aufzulösen. Er schrumpft auf eine einzige Bestimmung zusammen, den Gegensatz von Vermittlung und Unmittelbarkeit. Während das moderne Bewußtsein sich als vermittelt durchschaut, jedes Erlebnis von Unmittelbarkeit auf seine Vermittlungen zurückführend, lebt das wahnhafte ganz in der Unmittelbarkeit. Wo das moderne Bewußtsein die bestehende Ordnung in unterschiedlichen Einstellungen in den Blick nimmt, erlebt das wahnhafte die Gegensätze als miteinander identisch, weil es aus der Unmittelbarkeit nicht heraustritt. Der auf dem Parteitag marschierende Gemüsehändler negiert diese seine Besonderheit und affirmiert sie zugleich als identisch mit dem Ideal.
Als unterschiedene sind modernes Bewußtsein und Wahnsinn einander zugleich nahe. Diese Nähe hat ihren Grund in der doppelten Entfremdung des modernen Individuums von der bestehenden Ordnung und vom andern. Daraus entspringt die Sehnsucht nach Aufhebung der Entfremdung, die zugleich Triebkraft des Denkens und des gesellschaftlichen Engagements ist. Die Entfremdung auszuhalten, darin besteht der Heroismus des modernen Bewußtseins, wenn es denn einen gibt; das wahnsinnige Bewußtsein überspringt den Sehnsuchtshorizont und weiß sich eins mit dem Ziel der Sehnsucht. So verbrennt die Sehnsucht im Feuer des Erlebens der unmittelbaren Einheit mit dem Ideal und dem andern. – Der Wahn ist also eine Gestalt des Bewußtseins der Moderne.”
- Peter Bürger: Das Denken des Herrn. Bataille zwischen Hegel und dem Surrealismus. Essays.
Dark Mtn | Loma Prieta
Auch das dritte Moment von Herrschaft, die Herrschaft im Subjekt, ergibt sich aus der Verleugnung einer Abhängigkeit in einem konstitutiven Verhältnis, nun aber zur inneren Natur des Menschen.
…
In der Konstellation dieser drei Momente kann also ein Grundmodell von Herrschaft in der Erlangung und Durchsetzung von Selbstständigkeit gesehen werden, sofern diese durch Verleugnung von Abhängigkeit erkauft wird. Diese abstrakte Gemeinsamkeit der drei Herrschaftsformen orientiert sich also nicht allein an intersubjektiven Verhältnissen (und die Natur wird auch nicht zum Subjekt stilisiert), wohl aber an Verhältnissen zwischen relationalen Bestimmungen, die aufeinander verweisen, aber sich gegeneinander verselbstständigen…” —Görg, Christoph: Regulation der Naturverhältnisse. Zu einer kritischen Theorie der ökologischen Krise. 2003: 36
Wissenschaft im Dienste von Staats- und Geldmacht und Hochschulreform als Waffe in der Standortkonkurrenz
Vortrag und Diskussion mit Freerk Huisken
23. Mai | 19 Uhr | Universität Leipzig (GWZ) | Raum 2.010Hochschulpolitiker sind ausgesprochen selbstkritisch. Ihnen erscheinen ein gebührenfreies Studium von mehr als acht Semestern, Prüfungen nur am Ende des Studiums, Studienordnungen, die Studierenden die Planung des Studiums überlassen, der garantierte Beamtenstatus und die freie Wahl von Forschungsgegenständen nach den Wissenschaftsinteressen der Lehrenden wie eine Einladung zur Faulheit, Ineffektivität und Vergeudung von „Humankapital“. „Zu lange Studienzeiten“, „zu wenig Leistungszwang“, „zu wenig ökonomische Effektivität“, „zu wenig Praxisbezug“, „zu wenig Konkurrenz”, lautet ihr Befund. Für sie steht fest, dass die Unis nicht genug von dem leisten, was die Nation braucht: Mehr Wachstum, mehr Attraktivität des Standorts für internationale Geldanleger, größere (Wissens)Vorsprünge in Sachen Produktivität vor dem Rest der Welt. Der ganze Sektor leistet für sie in dieser Hinsicht einfach zu wenig. Das Credo der Reform heißt deshalb: Für das Geld, das der Staat ausgibt, und in den Einrichtungen, die er längst geschaffen hat, mehr Leistung erzwingen, die in Forschung und Lehre am Maßstab der Standortkonkurrenz orientiert ist.
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Aufbruch des konformistischen Geistes – Thesen zur Kritik der neoliberalen Universität
Vortrag und Diskussion mit Gerhard Stapelfeldt
6. Juni | 18 Uhr | Universität Leipzig (GWZ) | Raum 2.010Die Verwandlung der Universitäten in Wissensbetriebe zur Produktion von ökonomisch verwertbarem Wissen und von “Humankapital” folgt der Geschichte der “Zerstörung der Vernunft” (Lukács) und ist insofern keineswegs ein neues Phänomen. Neu ist jedoch die neoliberale Form dieses Verfalls der Bildungs-Utopie. Sie wurde nach 1990 eingeleitet im Kontext des europäischen Binnenmarktes und der Gründung der WTO. Der Start wurde 1999 in Bologna gegeben. Durch die Universitätsreform soll sich, nach dem Willen der EU, Europa in den weltweit größten und dynamischsten wissensgestützten Markt verwandeln.
Die Folgen dieser Reform sind vielfältig. Ökonomisch nicht verwertbares Wissen, das vor allem in den Geisteswissenschaften erarbeitet wird, wird nicht mehr gebraucht. Die Forschung wird nicht auf Wahrheit, sondern auf ökonomische Werte verpflichtet. Die Lehre spielt nur noch eine untergeordnete Rolle. Das Studium gilt nicht mehr der Bildung, sondern reproduzierbarem, verwertbarem Wissen. Überall, zwischen und in den Universitäten, herrscht der Wettbewerb. Jeder kalkuliert und evaluiert jeden und sich selbst. Es entsteht ein Wettlauf, um zur Elite zu gehören. Das gelingt nur durch Anpassung an den Zeitgeist. Die neoliberale Universität zerstört die Idee der Bildung, setzt die Lehre herab, verwandelt Studierende in autoritäre Charaktere und läßt die Idee der Wahrheit hinter sich.~~~
Die überflüssigen Ideologen
Vortrag und Diskussion mit Magnus Klaue
27. Juni | 19 Uhr | Universität Leipzig (GWZ)| Raum 2.010Studentische Aktivisten sind sich in ihrem Protest gegen das modularisierte Studium und in ihrem Kampf für „selbstbestimmtes Lernen“ in einem einig: Die Universität soll ein netter, abwechslungsreicher und entspannter „Freiraum“ sein, der einen Vorschein davon in sich trägt, wie eine bessere Gesellschaft aussehen könnte; das vermittelte Wissen sollte „kritisch“, die Studenten sollten eigenständige Individuen statt Lern- und Repetierautomaten sein. Gegenüber solchen im schlimmsten deutschen Sinn idealistischen Vorstellungen von Universität und Bildung soll der Vortrag an einige Basisbanalitäten materialistischer Kritik erinnern: Wissen unterscheidet sich nicht in kritisches und Herrschaftswissen, sondern ist immer geprägt von der gesellschaftlichen Ordnung, die es hervorbringt; Universitäten waren ihrer Bestimmung nach nie etwas anderes als ideologische Kaderschmieden und haben stets nur in glücklichen historischen Augenblicken Erkenntnis hervorgebracht, die dieser Bestimmung radikal widerspricht; und am besten waren die bürgerlichen Bildungseinrichtungen immer dann, wenn sie ihren Insassen die Freiheit zum Objekt, die unreglementierte Beschäftigung mit dem selbstgewählten Gegenstand, wenigstens nicht verbauten, statt unverwechselbare, freie und bunte Persönlichkeiten aus ihnen machen zu wollen.
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„Gescheites Rindvieh“ – Über die Volkswirtschaftslehre als die Kunst, das Unbegreifliche des Kapitals zur gefälligen Ideologie zu rationalisieren
Vortrag und Diskussion mit Joachim Bruhn
4. Juli | 19 Uhr | Universität Leipzig (GWZ)| Raum 2.010Daß Wert, Geld, Kapital keine sog. „Funktionen“ haben, die sich definieren, mathematisieren, sodann instrumentalisieren ließen, sondern vielmehr das prozessierende Verhältnis der falschen Gesellschaft zu sich selbst darstellen, d.h. die permanente Vermittlung des Unglücks, das geht den Nationalökonomen über die Hutschnur und bringt sie systematisch um die Vernunft. Denn die Ideologie des Geldes schließt das Dritte der Vermittlung systematisch aus, und der daraus entspringende Denkzwang des Verstands kollabiert an sich selbst. Die Antinomie des Denkens, die aus dem „Geldrätsel“ (Marx) folgt, muß unbedingt gedacht werden, kann dies aber überhaupt gar nicht: daß der im Geld erscheinende Wert, daß diese Selbstidentifikation als ein Verhältnis der unmittelbaren Gleichzeitigkeit von These und Antithese, von „sowohl als auch“ einerseits, von „weder – noch“ andererseits erscheint; daß der Wert die Logik in einem konstituiert wie zugleich überschreitet, das läßt noch das scharfsinnigste Rindvieh und den gewitzigsten Idioten, ob nun Keynesianer oder Neo-Liberaler, kirre werden; und deshalb übergibt es sich letzten Endes der letzten Instanz: dem Souverän. Kann man das verstehen?
she will destroy you // cocteau twins
Saetia - The Burden of Reflecting
Orchid - Boy With No Arms
I can’t make you happy
I can’t even make you feel anymore
Zwi: Der unabgegoltene Georg Lukács
60 Minuten ergänzende Ausführungen von Peter Christoph Zwi zu Lukács Konversion zum Christentum & zum leninistischen Parteikommunismus, seiner Ausblendung des Antisemitismus und der Abarbeitung seines frühen, romantischen Antikapitalismus.
Anlässlich der Hamburger Veranstaltungsreihe “90 Jahre Georg Lukács’ »Geschichte und Klassenbewusstsein« (1923)”:
code orange kids covering archers of loaf
near perfect song
check this out! i don’t think a lot of people did