xonethousandcriesx

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Juni 2013

6 Einträge

“Die paar Menschen, zu denen die Wahrheit sich geflüchtet hat, erscheinen als lächerliche Rechthaber, die eine bombastische Sprache führen und nichts hinter sich haben. Die unangenehmste Entdeckung, zu welcher der Materialismus führt, ist der Umstand, daß die Vernunft nur existiert, sofern sie ein natürliches Subjekt hinter sich hat.” —Max Horkheimer, Brief an Pollock, 1937 (via die-oednis-in-uns)
Jun 11, 20139 notes
#horkheimer #materialismus #wahrheit #vernunft #subjekt
Ästhetik des Widerstands – Politisierung der Kunst

Mittwoch | 12. Juni | Melanchthonianum | Universitätsplatz | Halle

Ästhetik des Widerstands – Politisierung der Kunst. Anmerkungen zu Faschismus, Avantgarde und Befreiung in der verwalteten Welt.

Roger Behrens (Hamburg)

Walter Benjamin forderte in seinem Aufsatz ›Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit‹ von 1936 gegen die Ästhetisierung der Politik eine Politisierung der Kunst. Welche Kunst und welche Politik waren damit gemeint? Benjamin stellte die Forderung zu einem Zeitpunkt, zu dem klar sein musste, dass die künstlerischen Avantgarden wie auch die emanzipatorische Linke gleichermaßen gescheitert waren: von den Versprechen der bürgerlichen Gesellschaft korrumpiert, vom Faschismus, Nationalsozialismus, aber auch Stalinismus vernichtet, schien sich unter Bedingungen des Terrors jede politische wie ästhetische Form der Kritik theoretisch wie praktisch zerschlagen zu haben. Und zwar nicht zuletzt deshalb – mithin ist das die dialektische Volte in Benjamins Postulat –, weil die Ästhetisierung der Politik eine Politisierung der Kunst tendenziell unmöglich macht, wie auch, könnte man hinzufügen, das kommunistische Projekt überhaupt. Gleichwohl finden sich in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts, ab Ende der vierziger Jahre und dann vor allem seit den Fünfzigern zahlreiche Versuche, diese Politisierung der Kunst umzusetzen, mit unterschiedlichsten Ansprüchen und Vorstellungen von dem, was »Politisierung« und was »Kunst« bedeutet – Abstrakter Expressionismus, Pop-Art oder der Antiformalismus des Sozialistischen Realismus sind hierfür paradigmatische Entwicklungen. Als »Politisierung der Kunst« entsteht jetzt (erst!) eine so genannte Gegenwartskunst – als konstitutives Segment der fortgeschrittenen Kulturindustrie, und damit als integrales Moment der Ästhetisierung der Politik. Überdies verdichtet sich in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts die Ästhetisierung der Politik zur ›Gesellschaft des Spektakels‹; und gegen diese kann eine Politisierung der Kunst nur in der doppelten Aufgabe gefasst werden kann: als Aufhebung von »Politik« wie »Kunst« gleichermaßen. Indes kann »Politisierung der Kunst« jedoch auch heißen, gerade in Konfrontation zur Ästhetisierung der Politik, dass sich die radikale Kritik beziehungsweise die wirkliche Bewegung auf die vorhandene Kunst beschränken muss, also in der Kunst ein Abseits, einen Zufluchtsort, ein Exil, einen Überlebensraum findet, wenn unter gegebenen Bedingungen eine emanzipatorische Politik als revolutionäre Praxis gesellschaftlich nicht mehr machbar ist. »In der Kunst« meint dabei nicht, politische Praxis in die Praxis des Künstlers umzuwandeln, im Sinne von »Kunst machen«, sondern: sich auf die Auseinandersetzung mit der Kunst und den Künsten einzulassen – und das heißt: revolutionäre Praxis, die als praktische Revolution außer Kurs gesetzt ist, in die – letztendlich bereits musealisierte – Kunst zu verlegen, um dort Geschichte als Ästhetik des Widerstands fortzusetzen. Diese Ästhetik des Widerstands findet in der Kunst und den Künsten ihren Fluchtpunkt, der auch Ausgangspunkt ist; insofern ist die Ästhetik des Widerstands nicht auf die Kunst beschränkt, nicht an die Künste gebunden. (Es ist keine Rettung der Kunst, um der Kunst willen; nur so ist die Ästhetik des Widerstands in ihrer reflexiven Ambivalenz zu verstehen, widerständige Ästhetik und ästhetischer Widerstand zu sein. Die Ästhetik des Widerstands als Auseinandersetzung mit der Kunst und den Künsten ist zugleich Auseinandersetzung mit der Geschichte, mit der Vergangenheit, ihrem Ungleichzeitigen und Unabgegoltenen; und diese Auseinandersetzung ist als Ästhetik des Widerstands auch der Versuch, sich als historisches Subjekt seine Identität zu sichern: als »verlebendigte Erfahrung«). ›Die Ästhetik des Widerstands‹ ist der Titel eines Romans von Peter Weiss, geschrieben und veröffentlicht 1975 bis 1981. Anfang der achtziger Jahre gründen sich zu dem Buch zahlreiche Lesegruppen; die Auseinandersetzung mit dem Roman steht im Kontext der gesellschaftlichen – und im engeren Sinne »politischen« – Entwicklungen der siebziger und frühen achtziger Jahre; sie ist wesentlich nicht akademisch organisiert, sondern wenn institutionell, dann eher gewerkschaftlich. Viele junge Leute beteiligen sich. Die Lektüre des umfangreichen Buchs erweist sich als sperrig. Auch wenn es sich um einen Roman handelt, wird ›Die Ästhetik des Widerstands‹ als Theorieentwurf diskutiert; allein der Titel hat theoretisches Potenzial, klingt schon nach einer emanzipatorischen Parole. Thematisiert wird das – damals ohnehin virulente – Problem einer Aufarbeitung der Vergangenheit, für die Peter Weiss’ ›Ästhetik des Widerstands‹ als Modell genommen wird. Doch es geht nicht unmittelbar um die Vergangenheit, die Weiss als Gegenwart beschreibt (die nazideutsche Gesellschaft), sondern um das Nachleben dieser Vergangenheit in der Gegenwart. Der Faschismus, von dem ›Die Ästhetik des Widerstands‹ handelt, korrespondiert mit den Veränderungen der Verhältnisse von Individuum, Gesellschaft und Staat in der Zeit, in der Peter Weiss’ Roman erscheint – und die von vielen, die den Roman diskutieren, als »Faschisierung« begriffen wird. Im Verlauf der neunziger Jahre verschwindet das Interesse an Peter Weiss und der emanzipatorischen Aktualisierung der ›Ästhetik des Widerstands‹; die wirkliche Bewegung der radikalen Linken läuft ins Leere, die Versuche einer Politisierung der Kunst wenden sich ins affirmativ-banale – wobei mit der Ausweitung des »Kunstfeldes« gleichzeitig ein umfangreiches und vielfältiges »Politisch-Werden« der Kunst reklamiert wird, das sich in der allgemeinen kulturellen Formierung widerspiegelt. Wenn sich nun heute eine Ästhetik des Widerstands verwandelt als »Ästhetik der Politik« beziehungsweise die Politisierung der Kunst als »Politik des Sinnlichen« wiederholt, ist zu diskutieren, ob das konsequente Aktualisierungen oder ebenfalls konsequente Depotenzierungen kritischer, geschichtsmächtiger Praxis sind.

Ein Vortrag im Rahmen der Reihe “Kunst und Gesellschaftskritik in Zeiten der Kulturindustrie“ der Gruppe Kritische Intervention

Jun 11, 20136 notes
#kunst #ästhetik #kulturindustrie #avantgarde #widerstand #faschismus #politik #verwaltete welt #aufhebung
From 3 To 1 In 2 And 4 Raein

sebaxxxtian:

From 3 To 1 In 2 And 4 - Raein

Jun 11, 201346 notes
#raein #screamo #hardcore #emocore #emo #skramz
“Zurück zur analytischen Situation, in der Sie ebenso dazu verpflichtet sind, die Sie zugleich schützende und einschränkende Intimitätsgrenze zu überschreiten, wie der Analytiker dazu, die vertrackte Lage des schutzlosen und angsterfüllten kleinen Kindes, in die Sie geraten können, nicht auszunutzen - ein Unternehmen, das sich auf den ersten und weit verbreiteten Blick in ganz und gar privaten Zielsetzungen zu erschöpfen und es nicht zu gestatten scheint, eine Brücke zu schlagen zu den geschichts- und zivilisationstheoretischen Schriften Freuds, zur Analyse öffentlicher Angelegenheiten und zu der Frage nach einer zureichenden Konstruktion der Gesellschaft durch ihre Konfliktgeschichte hindurch. Daß die Begrenzung der Klinik auf Privatheit die Intention der Psychoanalyse verfehlt, bei genauerem Hinsehen ein Stück ´Übertragungsneurose` im Sinn einer Strategie der Abwehr genannt zu werden verdient - und zu dieser Strategie gehört natürlich auch, durch einen Schnitt zwischen Therapie und Theorie den Anspruch auf öffentliche Verbindlichkeit der psychoanalytischen Begriffsbildung zu widerrufen -, wird ihnen klarwerden, wenn ich Ihnen die Klauseln erläutere, aus denen sich die vertragsförmige psychoanalytische Grundregel zusammensetzt. Sie verpflichten sich, alles zu sagen: auch das, was unvernünftig, darum unsinnig, widerspruchsvoll, unverständig und unverständlich ist, auch das, was nicht substantiell, Ihnen nur so beiläufig in den Sinn gekommen, darum unwichtig ist, auch das, was überhaupt nicht zur Sache gehört, und schließlich auch das, was so unangenehm und so anstößig ist, daß Sie sich schämen und andere beschämen - also daß Sie sich schämen, ist ja das Reflexionsmoment der Scham, und das Schreckliche ist, daß Sie zugleich andere beschämen und dadurch Reaktionen auslösen, die Ihre Scham potenzieren -, dennoch zur Sprache zu bringen. Diesen Vertrag einzuhalten wird Ihnen alles andere als leicht fallen: Sie müssen nämlich gegen Begriffe verstoßen, die aus einer weit zurückreichenden philosophischen Tradition stammen und die - ich sage es einmal prononciert so - durch transzendentale Rationalität, also jene europäisch bürgerliche Vernunft, die sich bis heute als ein alles durchdringendes Vermögen der Synthesis, als eine subjektiv und objektiv mächtige Produktivkraft ´bewährt` hat, systematisch aufgeladen und verfestigt worden sind.” —Heinrich, Klaus: psychoanalyse sigmund freuds und das problem des konkreten gesellschaftlichen allgemeinen, Frankfurt am Main und Basel, 2001: 23.
Jun 11, 20133 notes
#freud #psychoanalyse #vernunft #rationalität #unvernunft #widerspruch #scham
Aufbruch des konformistischen Geistes – Thesen zur Kritik der neoliberalen Universität

xkuntergraux:

Vortrag und Diskussion mit Gerhard Stapelfeldt
6. Juni | 18 Uhr | Universität Leipzig (GWZ) | Raum 2.010

Die Verwandlung der Universitäten in Wissensbetriebe zur Produktion von ökonomisch verwertbarem Wissen und von “Humankapital” folgt der Geschichte der “Zerstörung der Vernunft” (Lukács) und ist insofern keineswegs ein neues Phänomen. Neu ist jedoch die neoliberale Form dieses Verfalls der Bildungs-Utopie. Sie wurde nach 1990 eingeleitet im Kontext des europäischen Binnenmarktes und der Gründung der WTO. Der Start wurde 1999 in Bologna gegeben. Durch die Universitätsreform soll sich, nach dem Willen der EU, Europa in den weltweit größten und dynamischsten wissensgestützten Markt verwandeln.
Die Folgen dieser Reform sind vielfältig. Ökonomisch nicht verwertbares Wissen, das vor allem in den Geisteswissenschaften erarbeitet wird, wird nicht mehr gebraucht. Die Forschung wird nicht auf Wahrheit, sondern auf ökonomische Werte verpflichtet. Die Lehre spielt nur noch eine untergeordnete Rolle. Das Studium gilt nicht mehr der Bildung, sondern reproduzierbarem, verwertbarem Wissen. Überall, zwischen und in den Universitäten, herrscht der Wettbewerb. Jeder kalkuliert und evaluiert jeden und sich selbst. Es entsteht ein Wettlauf, um zur Elite zu gehören. Das gelingt nur durch Anpassung an den Zeitgeist. Die neoliberale Universität zerstört die Idee der Bildung, setzt die Lehre herab, verwandelt Studierende in autoritäre Charaktere und läßt die Idee der Wahrheit hinter sich.
Das alles geschieht unter der proklamierten Zielsetzung, Forschungsleistungen zu steigern und die Lehre effektiver zu gestalten. Die Universität wird reformiert, bis sie – als Utopie und als deren ideologische Erscheinungsform – liquidiert ist. Darum gilt es den “Bologna-Prozess” nicht zu “reformieren”, sondern theoretisch und praktisch zu kritisieren, also abzuschaffen.

Gerhard Stapelfeldt war bis 2009 Professor für Soziologie an der Universität Hamburg und ist u.a. Autor von “Der Geist des Widerspruchs. Studien zur Dialektik” (ça ira Verlag).

Arbeitskreis Gesellschaftskritik

Studentische Initiative an der Universität Leipzig

Jun 5, 20134 notes
#stapelfeldt #kritik #neoliberale #universität #vortrag #leipzig #diskussion #zerstörung #vernunft #bildung #autoritärer charakter
Jammertal und Heiligenschein. Perspektiven der Religionskritik

hintergrundrauschen:

Neben der noch laufenden Kunstreihe beginnt kommenden Mittwoch eine religionskritische Vortragsreihe der Gruppe Kritische Intervention Halle:

5. Juni * Lars Quadfasel (Hamburg) Der Heiligen Schein des Kapitals. Zur Kritik von Religion und Religionskritik Ort: Melanchthonianum, Uniplatz / 19 Uhr  

24. Juni * Jens Köhrsen (Uni Bielefeld)
Religiöse Präferenzen, Identifikation und Abgrenzung am Beispiel der Pfingsbewegung in Argentinien  

10. Juli * Martin Dornis (Leipzig)
Der Materialismus und die Auferstehung

17. Juli * Felix Riedel (Uni Marburg)
Hexenjagden heute – Ideologie und Verfolgungspraxis

Fortsetzung im Wintersemester

26.November * Samuel Salzborn (Uni Göttingen)
Christlicher Judenhass. Monotheismus, Christentum und die Genese des Antisemitismus

10.Dezember * Robert Schnepf (Uni Halle)
Religionskritik bei Hegel, Feuerbach und Marx

(wird fortgesetzt)

Jun 4, 20136 notes
#kritische intervention #vortragsreihe #religionskritik #halle #materialismus #ideologie #antisemitismus

Mai 2013

50 Einträge

“In der Beziehung des Materials scheinbar letzter Tatsachen, an das der Fachgelehrte sich halten muss, auf menschliche Produktion stimmt die kritische Theorie der Gesellschaft mit dem deutschen Idealismus überein; seit Kant hat er dieses dynamische Moment gegen die Tatsachenverehrung und den mit ihr verbundenen sozialen Konformismus geltend gemacht. »So wie es… in der Mathematik ist«, heißt es bei Fichte, »so ist es in der ganzen Weltanschauung; der Unterschied ist nur der, dass man sich beim Konstruieren der Welt seines Konstruierens nicht bewusst ist, denn es ist nur notwendig und nicht mit Freiheit.« Dieser Gedanke war im deutschen Idealismus allgemein. Die Tätigkeit, die im gegebenen Material zum Vorschein kommt, galt ihm jedoch als geistig; sie gehörte zum überempirischen Bewusstsein an sich, zum absoluten Ich, zum Geist, und die Überwindung ihrer dumpfen, bewusstlosen, irrationalen Seite fiel daher prinzipiell ins Innere der Person, in die Gesinnung. Nach der materialistischen Auffassung dagegen handelt es sich bei jener grundlegenden Tätigkeit um die gesellschaftliche Arbeit, deren klassenmäßige Form allen menschlichen Reaktionsweisen, auch der Theorie, ihren Stempel aufprägt. Die rationale Durchdringung der Prozesse, in denen die Erkenntnis und ihr Gegenstand sich konstituieren, ihre Unterstellung unter die Kontrolle des Bewusstseins verläuft daher nicht im rein geistigen Bezirk, sondern fällt mit dem Kampf um bestimmte Lebensformen in der Wirklichkeit zusammen.” —Horkheimer (1992 [1937]: Traditionelle und kritische Theorie: 262
May 29, 2013
#horkheimer #kritische theorie #erkenntnis #praxis #idealismus #wirklichkeit
May 29, 2013
#marxismus #ddr #dialektischer materialismus #scheitern #nein #das #ist #nicht #der #kommunismus
May 29, 20132 notes
#marxismus #ddr #dialektischer materialismus #scheitern #nein #das #ist #nicht #der #kommunismus
May 29, 2013
#marxismus #ddr #dialektischer materialismus #engels #scheitern #nein #das #ist #nicht #der #kommunismus
“Unter den monopolkapitalistischen Verhältnissen ist es jedoch auch mit solcher relativen Selbständigkeit des Individuums zu Ende. Es hat keinen eigenen Gedanken mehr. Der Inhalt des Massenglaubens, an den niemand recht glaubt, ist ein unmittelbares Produkt der herrschenden Bürokratien in Wirtschaft und Staat, und seine Anhänger folgen insgeheim nur ihren atomisierten und daher unwahren Interessen; sie handeln als reine Funktionen des ökonomischen Mechanismus. Der Begriff der Abhängigkeit des Kulturellen vom Ökonomischen hat sich daher verändert. Er ist mit der Vernichtung des typischen Individuums gleichsam vulgärmaterialistischer zu verstehen als früher. Die Erklärungen sozialer Phänomene werden einfacher und zugleich komplizierter. Einfacher, weil das Ökonomische unmittelbarer und bewusster die Menschen bestimmt und die relative Widerstandskraft und Substantialität der Kultursphären im Schwinden begriffen ist, komplizierter, weil die entfesselte ökonomische Dynamik, zu deren bloßen Medien die meisten Individuen erniedrigt sind, in raschem Tempo immer neue Gestalten und Verhängnisse zeitigt.” —Horkheimer (1992 [1937]: Traditionelle und kritische Theorie: 254
May 29, 20132 notes
#spätkapitalismus #individuum #allgemeines #subjekt #selbstständigkeit #atomisierung
Lo Inefable Eros + Massacre

skramzo:

Eros + Massacre - Lo Inefable
Bandcamp

May 29, 20139 notes
#eros + massacre #hardcore #emocore #screamo #skramz
“In der zerissenen Gesellschaft der Gegenwart ist dieses Denken, vor allem in gesellschaftlichen Fragen, harmonistisch und illusionär. Das kritische Denken und seine Theorie ist beiden Arten entgegengesetzt. Es ist weder die Funktion eines isolierten Individuums noch die einer Allgemeinheit von Individuen. Es hat vielmehr bewußt ein bestimmtes Individuum in seinen wirklichen Beziehungen mit anderen Individuen und Gruppen, in seiner Auseinandersetzung mit einer bestimmten Klasse und schließlich in der so vermittelten Verflechtung mit dem gesellschaftlichen Ganzen und der Natur zum Subjekt. Es ist kein Punkt wie das Ich der bürgerlichen Philosophie, seine Darstellung besteht in der Konstruktion der geschichtlichen Gegenwart. Auch das denkende Subjekt ist nicht der Ort, an dem Wissen und Gegenstand zusammenfallen, von dem aus daher ein absolutes Wissen zu gewinnen wäre. Dieser Schein, in dem seit Descartes der Idealismus lebt, ist Ideologie im strengen Sinn, die beschränkte Freiheit des bürgerlichen Individuums erscheint in der Gestalt vollendeter Freiheit und Autonomie. Aber das Ich, ob es sich nun bloß als denkendes oder auch in anderer Weise betätigt, ist in einer undurchsichtigen, bewußtlosen Gesellschaft auch seiner selbst nicht gewiß. […] Die Annahme der wesentlichen Unveränderlichkeit des Verhältnisses von Subjekt, Theorie und Gegenstand unterscheidet die cartesianische Auffassung von jeder Art dialektischer Logik.” —Max Horkheimer, Traditionelle und kritische Theorie (via hintergrundrauschen). (via diesebastionbehrisch)
May 28, 201319 notes
#horkheimer #kritik #ideologie #dialektik #individuum #allgemeinheit #denken #subjekt #schein #kritische theorie
Dead End, Start Over Beau Navire

carelessness93:

Beau Navire || Dead End, Start Over

Can’t we just fucking devolve our society’s modern romance ideals? The smallest things you do mean the most to me. Every time you cry, I’ll try to make things right. Let me touch your face and see your eyes. I’m trapped here with you. Breathe deeper, wake up, it’s happening. Breathe deep, wake up, it’s happening

May 28, 201335 notes
#beau navire #hardcore #emocore #screamo #emo #skramz #emo violence
“Denn Denken selbst ist ja immer auch eine Verhaltensweise, ist selber, ob es das will oder nicht, noch in den pursten logischen Operationen ein Moment von Praxis. Es verändert durch jede Synthesis, die es vollzieht. Jedes Urteil, das zwei Momente miteinander verbindet, die vorher unverbunden waren, ist, als solche Arbeit, immer auch ein Stück, ich möchte fast sagen: Veränderung der Welt.
[…]
Die Trennung von Theorie und Praxis ist eben ihrerseits eine Gestalt des verdinglichten Bewußtseins.”
—Theodor W. Adorno (2007, zrst. 1965): Vorlesung über negative Dialektik. Fragmente zur Vorlesung 1965/66, Hg.: Tiedemann, Frankfurt a. Main, Suhrkamp: S. 83 (via hassalleingenugtnichtmehr)
May 28, 201315 notes
#adorno #denken #theorie #praxis #arbeit #veränderung
“Denken wäre ein Denken, das zwar nicht System ist, aber in sich das System und auch den systematischen Impuls verzehrt; das in seiner Analyse des Einzelnen eben die Kraft bewährt, die einmal die Kraft der Systembildung hat sein wollen. Die Kraft, meine ich, die beim Aufsprengen der Einzelphänomene durch das vor ihnen insistierende Denken frei wird, diese Kraft ist dieselbe, die einmal das System beseelte, denn es ist die, durch welche die einzelnen Phänomene, als je mit ihrem Begriff nichtidentische, mehr sind, als sie selbst sind. Es ist also in Philosophie etwas vom System zu retten: nämlich daß die Phänomene objektiv - und nicht erst in ihrer vom erkennenden Subjekt ihnen auferlegte Klassifikation - einen Zusammenhang bilden. Dieser Zusammenhang in der Sache selbst ist aber nicht zu hypostasieren, also nicht zu einem Absoluten zu machen, und ist auch nicht von außen an sie heranzubringen; sondern er ist in ihnen selbst, in ihrer inneren Bestimmung aufzufinden. Und negative Dialektik, soweit sie Methode ist - und sie ist nur ihrer einen Seite nach Methode -, soll eben dazu verhelfen.” —Theodor W. Adorno (2007, zrst. 1965): Vorlesung über negative Dialektik. Fragmente zur Vorlesung 1965/66, Hg.: Tiedemann, Frankfurt a. Main, Suhrkamp: S. 65 f. (via hassalleingenugtnichtmehr)
May 27, 201316 notes
#adorno #system #phänomene #zusammenhang #negative #dialektik
Roll The Credits Life Long Tragedy

dyingoflaughters:

Life Long Tragedy “Roll The Credits”

I can’t stop thinking
That inside something’s missing
Instead of guessing
I’ll stop breathing
My heart beats
Desperate to succeed
I hear them sing
But I’m still screaming
Opportunities missed 
And chances blown
The story of my life
But that’s just how it goes
Everyone and everything
Are always in search for something
This generation was born blind
They’re not even looking

Their eyes are open
But they don’t see a fucking thing

Opportunities missed 
And chances blown
This is my heart
And that’s all I’ll ever show
Everyone and everything
Always in search for something
A generation born blind
They’re not even looking
I write these words 
To save me 
from what I chose 
to never be

Fuck you

I know 
in my heart
that I’ll get by
I know 
that my life 
is not built on lies

May 27, 201396 notes
#life long tragedy #hardcore #i #can't #stop #thinking
“Darum, lieber Herr, lieben Sie Ihre Einsamkeit, und tragen Sie den Schmerz, den sie Ihnen verursacht, mit schön klingender Klage. Denn die Ihnen nahe sind, sind fern, sagen Sie, und das zeigt, daß es anfängt, weit um Sie zu werden. Und wenn Ihre Nähe fern ist, dann ist Ihre Weite schon unter den Sternen und sehr groß; freuen Sie sich Ihres Wachstums, in das Sie ja niemanden mitnehmen können, und seien Sie gut gegen die, welche zurückbleiben, und seien Sie sicher und ruhig vor ihnen und quälen Sie sie nicht mit Ihren Zweifeln und erschrecken Sie sie nicht mit Ihrer Zuversicht oder Freude, die sie nicht begreifen könnten.” —Rainer Maria Rilke - Briefe an einen jungen Dichter, 16. Juli 1903 (via buchlinge)
May 26, 20138 notes
#rilke #einsamkeit #nähe #ferne #schmerz #weite
Tremors We Were Skeletons

we were skeletons | tremors

May 26, 201318 notes
#we were skeletons #hardcore #emocore #screamo #skramz
“Fürs erste also ist die ursprüngliche bestimmte Natur der Individualität, ihr unbestimmtes Wesen noch nicht als tuend gesetzt und heißt so besondere Fähigkeit, Talent, Charakter usf. Diese eigentümliche Tinktur des Geistes ist der einzige Inhalt des Zwecks selbst und ganz allein als die Realität zu betrachten. Stellt man sich das Bewußtsein vor als darüber hinausgehend und einen anderen Inhalt zur Wirklichkeit bringen wollend, so stellt man es sich vor als ein Nichts in das Nichts hineinarbeitend. – Dies ursprüngliche Wesen ist ferner nicht nur Inhalt des Zwecks, sondern an sich auch die Wirklichkeit, welche sonst als gegebener Stoff des Tuns, als vorgefundene und im Tun zu bildende Wirklichkeit erscheint. Das Tun ist nämlich nur reines Übersetzen aus der Form des noch nicht dargestellten Seins; das Ansichsein jener dem Bewußtsein entgegengesetzten Wirklichkeit ist zum bloßen Schein herabgesunken. Dies Bewußtsein, indem es sich zum Handeln bestimmt, läßt sich also durch den Schein der vorhandenen Wirklichkeit nicht irremachen, und ebenso hat es sich aus dem Herumtreiben in leeren Gedanken und Zwecken auf den ursprünglichen Inhalt seines Wesens zusammenzuhalten. - Dieser ursprüngliche Inhalt ist zwar erst für das Bewußtsein, indem es ihn verwirklicht hat; der Unterschied aber eines solchen, das für das Bewußtsein nur innerhalb seiner [ist], und einer außer ihm an sich seienden Wirklichkeit ist hinweggefallen. Nur daß für es sei, was es an sich ist, muß es handeln, oder das Handeln ist eben das Werden des Geistes als Bewußtsein. Was es an sich ist, weiß es also aus seiner Wirklichkeit. Das Individuum kann daher nicht wissen, was es ist, ehe es sich durch das Tun zur Wirklichkeit gebracht hat. – Es scheint aber hiermit den Zweck seines Tuns nicht bestimmen zu können, ehe es getan hat; aber zugleich muß es, indem es Bewußtsein ist, die Handlung vorher als die ganz seinige, d.h. als Zweck vor sich haben.” —G.W.F. Hegel, Phänomenologie des Geistes, Frankfurt am Main, 1979, S. 296 f. (via universalestate)
May 26, 201310 notes
#hegel #Individuum #bewußtsein #tun #zweck #wesen #wirklichkeit
It's Only Getting Worse whenskiesaregray

false-catharsis:

It’s Only Getting Worse - whenskiesaregray

May 26, 201334 notes
#hardcore #emocore #screamo #skramz #whenskiesaregrey
“Und Hegel hat, das muß man hier zunächst einmal hervorheben, durch seine Kritik an dem Schein, daß das, was einem das Nächste ist, nämlich das je eigene Selbst und sein Bewußtsein, nun auch tatsächlich das schlechthin Fundamentale und Erste sei, dann gerade auch zur Einsicht in die Gesellschaft und in das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft Entscheidendes beigetragen. Es wäre eigentlich eine Theorie der Gesellschaft, wie wir sie heute meinen, ohne diese Hegelsche Einsicht überhaupt gar nicht möglich gewesen. - Er hat also, sage ich, den Schein des Ansichseins des Subjekts zerstört und dargetan, daß es selbst Moment der sozialen Objektivität ist. Und er hat weiter die Notwendigkeit abgeleitet, daß gegenüber dieser abstrakten Subjektivität das gesellschaftliche Moment als das Stärkere sich durchsetzt. Aber - und das ist der Punkt, würde ich sagen, an dem genau nun jene kritische Überlegegung zu Hegel anzusetzen haben, die die Formulierung einer negativen Dialektik eigentlich rechtfertigen - es ist die Frage aufzuwerfen, ob nun tatsächlich diese als notwendige Bedingung dargetane und das abstrakte Subjekt unter sich subsumierende Objektivität tatsächlich das Höhere sei; oder ob sie nicht vielmehr das bleibt, was Hegel in seiner Jugend ihr vorgeworfen hat; nämlich eben das Äußerliche, das zwanghafte Kollektive; ob nicht der Rückzug auf diese vermeintlich höhere Instanz eine Regression des Subjekts bedeute, das seine Freiheit mit unendlicher Qual, mit Mühe errungen hat. Es ist nicht einzusehen, warum durch die Einsicht in den Zwangsmechanismus, der die Subjektivität und das Denken an die ihm gegenüberstehende Objektivität bindet, und angesichts der Abhängigkeit, die besteht, und angesichts der, ich möchte sagen: Logik der Tatsache, die dann zu dem Triumph der Objektivität führt, diese nun auch notwendig recht behalten müsse. Es liegt darin ein Moment von Gewissenszwang, wie ich es am stärksten erfahren habe in der Auseinandersetzung mit dem hegelianischen Marxisten, nämlich in unserer Jugend mit Georg Lukács, der damals gerade einen Konflikt mit seiner Partei hinter sich hatte und in diesem Zusammenhang mir erzählt hat, seine Partei habe ihm gegenüber recht, obwohl er der Partei gegenüber in seinen Gedanken und Argumenten recht habe, - weil die Partei eben den objektiven geschichtlichen Stand verkörpere, während sein, für ihn und der bloßen Logik des Denkens nach, fortgeschrittenerer Stand hinter diesem objektiven Stand zurückgeblieben sei.” —Theodor W. Adorno (2007, zrst. 1965): Vorlesung über negative Dialektik. Fragmente zur Vorlesung 1965/66, Hg.: Tiedemann, Frankfurt a. Main, Suhrkamp: S. 30 f. (Hh.: Tiedemann)
May 26, 201328 notes
#adorno #hegel #subjekt #gesellschaft #schein #ansichseiendes #zwang
May 25, 20131,300 notes
#identifizierung #aggressor #psychoanalyse #freud #abwehr #ich #über-ich #selbstkritik #außen #projektion
I Don't Want To Lie Here Anymore Lastletters.

Lastletters | I don’t want to lie here anymore

It was a Saturday in my mother’s room, when I wrote this to confess to you. I’ve been thinking a lot about myself and this may seem like a bit too much, but I think it will help. Lately, things have been getting rough. I don’t know where to go with the way that I feel. If I told you once I guess that wasn’t enough. I’m still faced with the same old flaws, hoping one day to resolve them all.

There will be no trace of me to follow. There will be no trace of me at all. I move through life like a ghost through a field of fallen snow. You’ll find no trace of me at all.

So where do you go when you’re on your own, when the very thing that makes you who you are lends to an emptiness you can not ignore? Because the people that surround me now all lost their faith in happiness. We’re all losing ourselves to this bitterness. When nothing ever seems to change, when no one ever comes your way, when home is just a place to stay, you’ll lose yourself to the same old ways. I’m tired now, I must admit. It takes a lot to live with this, but I promise you I will never quit.

What am I to do with all of this time? All those details I remember way me down as I close my eyes. Even in my dreams there is no place to rest. Every moment carried over, each day like the rest.

May 22, 20132 notes
#lastletters #hardcore #emocore #emo #screamo #skramz
Ocean Liners Alta

alta ocean liners

May 22, 201340 notes
#emocore #emo #screamo #hardcore #skramz #alta
May 22, 2013580 notes
#norma #shearer #1932
“Marx übernimmt - auf materialistischer Basis - das Hegelsche Verfahren des Aufsteigens vom Abstrakten zum Konkreten, damit dessen Kritik an begriffloser Empirie. Auch für ihn hat wissenschaftliche Erkenntnis keinen deskriptiven, sondern “darstellenden” Charakter. Das “Konkrete”, worauf sie abzielt, ist gerade nicht, was dem gesunden Menschenverstand dabei vorschwebt: der klassifizierbare Einzelbefund, sonder ein synthetisches Wissen, begriffene “Einheit des Mannigfaltigen”. Die Marxsche Dialektik widersetzt sich (wie schon die Hegelsche) der strengen Dichotomie von Faktischem und Gedanklichem; sie ist keine “Subsumtion einer Masse von ‘Cases’ under a general principle”. Vielmehr lehrt sie das Allgemeine, die gesellschaftliche Produktion, als ein Konkret-Allgemeines zu erfassen. Besondere Tatbestände wie Distribution, Austausch und Konsumtion sind keine chaotische Summe starrer Daten, die in einer ihnen äußerlichen Weise geordnet werden; sie bilden objektiv “Glieder einer Totalität …, Unterschiede innerhalb einer Einheit”, die von der Produktion als dem übergreifenden Moment gestiftet wird.” —Alfred Schmidt (1971): Geschichte und Struktur. Fragen einer marxistischen Historik, München, Carl Hanser Verlag: S. 49 (via hassalleingenugtnichtmehr)
May 21, 201311 notes
#schmidt #marx #hegel #kritik #erkenntnis #darstellung #allgemeine #konkretes #dialektik #totalität
May 20, 2013158 notes
#blondie #the slits #siouxsie and the banshees #the pretenders #x-ray spex #the selecter #punk #new wave #london #1980
May 18, 20133 notes
#mio #last #song #ever #similde #leipzig #hardcore #emocore #screamo #skramz
The First Word That Comes To Mind I Would Set Myself On Fire For You

I Would Set Myself On Fire For You | The First Word That Comes To Mind

longboardsarewrongboards:

My soul has shattered and fallen to the floor. I still remember your face and how beautiful you were to me.

May 18, 201339 notes
#i would set myself on fire for you #hardcore #emocore #emo #screamo #skramz
Becoming What You Hate Neil Perry

Neil Perry | Becoming What You Hate

May 18, 201323 notes
#neil perry #hardcore #emocore #screamo #skramz
“Das Leben, wie es uns auferlegt ist, ist zu schwer für uns, es bringt uns zuviel Schmerzen, Enttäuschungen, unlösbare Aufgaben. Um es zu ertragen, können wir Linderungsmittel nicht entbehren. (…) Solcher Mittel gibt es vielleicht dreierlei: mächtige Ablenkungen, die uns unser Elend geringschätzen lassen. Ersatzbefriedigungen, die es verringern, Rauschstoffe, die uns für dasselbe unempfindlich machen. Irgend etwas dieser Art ist unerläßlich.” —Freud, Sigmund (1974): Das Unbehagen in der Kultur. In ders.: Studienausgabe Band IX. Fragen der Gesellschaft, Ursprünge der Religion. S. 207. Frankfurt am Main: Fischer. (via frutelia3000)
May 18, 201329 notes
#freud #schmerz #enttäuschung #ertragen #ersatz #rausch #leben
May 16, 20132 notes
#mio #last #show #ever #screamo #hardcore #emo #emocore #skramz #sadness
bis zum hals mio

mio | bis zum hals

stumpfe laute drängen ins vakuum
durch risse schneidend
lechzende hände zur leere verzehrt
blutende arme / hilflos verwirrt
jedes wort eine lüge / eine zierde voll spott
rinnt in strömen / die galle bis zum hals
die fassade versteckt täuschend und schön
nackte erbärmlichkeit
dumpfes nichts umgreift das zweifelnde herz
verlockt / angewidert / verstört
die zähne gefletscht / hassvoll verzehrt
gegen das aussen / die spiegelnde wand
so bröckelt die trennung / das urteil verklärt
verwundete sehnsucht / greift ihhre nach halt
vom reiz umspeichelt
simple klarheit zur götze gestählt
warmer geifer
vergessen / verpasst

May 16, 20132 notes
#mio #jedes #wort #eine #lüge #screamo #hardcore #emo #emocore

edwardnortonamstrand:

“Wenn das Individuum in der Moderne die bestehende Ordnung als eine ihm fremde und den anderen als seinen Gegner erfährt und doch zugleich die Ordnung als Voraussetzung seines Daseins und den anderen als den weiß, dessen es als ein nach Anerkennung verlangendes bedarf, dann ist das moderne Bewußtsein per se ein in sich widersprechendes. Die Zerrüttung, die wir, Hegel folgend, im Wahnsinn entdeckten, würde sich dann in der Struktur des modernen Bewußtseins selbst wiederfinden. Als Verrücktheit galt Hegel das Beharren auf dem Gesetz des Herzens deshalb, weil das Bewußtsein die bestehende Ordnung zugleich als nichtig und als wesenhaft fixiert. Das aber ist die Struktur des modernen Bewußtseins, wenn es die bestehende Ordnung einerseits als ihm fremde erfährt, andererseits aber als Bedingung seiner eigenen Existenz weiß.

Damit scheint der Gegensatz von modernem Bewußtsein und wahnsinnigem Bewußtsein sich aufzulösen. Er schrumpft auf eine einzige Bestimmung zusammen, den Gegensatz von Vermittlung und Unmittelbarkeit. Während das moderne Bewußtsein sich als vermittelt durchschaut, jedes Erlebnis von Unmittelbarkeit auf seine Vermittlungen zurückführend, lebt das wahnhafte ganz in der Unmittelbarkeit. Wo das moderne Bewußtsein die bestehende Ordnung in unterschiedlichen Einstellungen in den Blick nimmt, erlebt das wahnhafte die Gegensätze als miteinander identisch, weil es aus der Unmittelbarkeit nicht heraustritt. Der auf dem Parteitag marschierende Gemüsehändler negiert diese seine Besonderheit und affirmiert sie zugleich als identisch mit dem Ideal.

Als unterschiedene sind modernes Bewußtsein und Wahnsinn einander zugleich nahe. Diese Nähe hat ihren Grund in der doppelten Entfremdung des modernen Individuums von der bestehenden Ordnung und vom andern. Daraus entspringt die Sehnsucht nach Aufhebung der Entfremdung, die zugleich Triebkraft des Denkens und des gesellschaftlichen Engagements ist. Die Entfremdung auszuhalten, darin besteht der Heroismus des modernen Bewußtseins, wenn es denn einen gibt; das wahnsinnige Bewußtsein überspringt den Sehnsuchtshorizont und weiß sich eins mit dem Ziel der Sehnsucht. So verbrennt die Sehnsucht im Feuer des Erlebens der unmittelbaren Einheit mit dem Ideal und dem andern. – Der Wahn ist also eine Gestalt des Bewußtseins der Moderne.”

- Peter Bürger: Das Denken des Herrn. Bataille zwischen Hegel und dem Surrealismus. Essays.

May 16, 20136 notes
#bürger #entfremdung #bewußtsein #wahnsinn #gesellschaft #individuum #moderne #hegel #vermittlung #unmittelbarkeit
Dark Mtn Loma Prieta

Dark Mtn | Loma Prieta

May 14, 2013158 notes
#loma prieta #dark mnt #hardcore #screamo #skramz
“Erst die soziale Herrschaft ermöglicht mit der Distanz zur Natur die Ideologie der vollständigen Beherrschbarkeit der Natur als Abstraktion von allen besonderen Qualitäten. Und so, wie das Naturverhältnis damit selbst in spezifischer Weise durch soziale Herrschaftsbeziehungen geprägt wird, ist die soziale Herrschaft, obwohl ihrerseits eine Vorraussetzung des naturbeherrschenden Denkens, selbst durch das Naturverhältnis vermittelt.
Auch das dritte Moment von Herrschaft, die Herrschaft im Subjekt, ergibt sich aus der Verleugnung einer Abhängigkeit in einem konstitutiven Verhältnis, nun aber zur inneren Natur des Menschen.
…
In der Konstellation dieser drei Momente kann also ein Grundmodell von Herrschaft in der Erlangung und Durchsetzung von Selbstständigkeit gesehen werden, sofern diese durch Verleugnung von Abhängigkeit erkauft wird. Diese abstrakte Gemeinsamkeit der drei Herrschaftsformen orientiert sich also nicht allein an intersubjektiven Verhältnissen (und die Natur wird auch nicht zum Subjekt stilisiert), wohl aber an Verhältnissen zwischen relationalen Bestimmungen, die aufeinander verweisen, aber sich gegeneinander verselbstständigen…”
—Görg, Christoph: Regulation der Naturverhältnisse. Zu einer kritischen Theorie der ökologischen Krise. 2003: 36
May 14, 20132 notes
#natur #herrschaft #subjekt #abhängigkeit #verleugnung #abstraktion #vermittlung #ideologie #verselbstständigung #dialektik
“Aber auch die Situation des Proletariats bildet in dieser Gesellschaft keine Garantie der richtigen Erkenntnis. Wie sehr es die Sinnlosigkeit als Fortbestehen und Vergrößerung der Not und des Unrechts an sich selbst erfährt, so verhindert doch die von oben noch geförderte Differenzierung seiner sozialen Struktur und die nur in ausgezeichneten Augenblicken durchbrochene Gegensätzlichkeit von persönlichem und klassenmäßigem Interesse, daß dieses Bewusstsein sich unmittelbar Geltung verschafft. An der Oberfläche sieht vielmehr die Welt auch für das Proletariat anders aus. Eine Haltung, welche seine wahren Interessen und damit auch die der Gesellschaft im ganzen nicht auch ihm selbst entgegenzusetzen imstande wäre, sondern ihre Richtschnur von Gedanken und Stimmungen der Massen bezöge, geriete selbst in sklavische Abhängigkeit vom Bestehenden.” —Max Horkheimer, Traditionelle und kritische Theorie, in: ders., Traditionelle und kritische Theorie. Fünf Aufsätze, Frankfurt a.M, 2005, S. 205-259, S. 230f. (via par-tous-les-temps)
May 12, 201310 notes
#horkheimer #proletariat #erkenntnis #sinnlosigkeit #interesse #bewusstsein #oberfläche #bestehendes
Termine des Arbeitskreis Gesellschaftskritik Leipzig

xkuntergraux:

Wissenschaft im Dienste von Staats­- und Geldmacht und Hochschulreform als Waffe in der Standortkonkurrenz

Vortrag und Diskussion mit Freerk Huisken
23. Mai | 19 Uhr | Universität Leipzig (GWZ) | Raum 2.010

Hochschulpolitiker sind ausgesprochen selbstkritisch. Ihnen erscheinen ein gebührenfreies Studium von mehr als acht Semestern, Prüfungen nur am Ende des Studiums, Studienordnungen, die Studierenden die Planung des Studiums überlassen, der garantierte Beamtenstatus und die freie Wahl von Forschungsgegenständen nach den Wissenschaftsinteressen der Lehrenden wie eine Einladung zur Faulheit, Ineffektivität und Vergeudung von „Humankapital“. „Zu lange Studienzeiten“, „zu wenig Leistungszwang“, „zu wenig ökonomische Effektivität“, „zu wenig Praxisbezug“, „zu wenig Konkurrenz”, lautet ihr Befund. Für sie steht fest, dass die Unis nicht genug von dem leisten, was die Nation braucht: Mehr Wachstum, mehr Attraktivität des Standorts für internationale Geldanleger, größere (Wissens­)Vorsprünge in Sachen Produktivität vor dem Rest der Welt. Der ganze Sektor leistet für sie in dieser Hinsicht einfach zu wenig. Das Credo der Reform heißt deshalb: Für das Geld, das der Staat ausgibt, und in den Einrichtungen, die er längst geschaffen hat, mehr Leistung erzwingen, die in Forschung und Lehre am Maßstab der Standortkonkurrenz orientiert ist.

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Aufbruch des konformistischen Geistes – Thesen zur Kritik der neoliberalen Universität

Vortrag und Diskussion mit Gerhard Stapelfeldt
6. Juni | 18 Uhr | Universität Leipzig (GWZ) | Raum 2.010

Die Verwandlung der Universitäten in Wissensbetriebe zur Produktion von ökonomisch verwertbarem Wissen und von “Humankapital” folgt der Geschichte der “Zerstörung der Vernunft” (Lukács) und ist insofern keineswegs ein neues Phänomen. Neu ist jedoch die neoliberale Form dieses Verfalls der Bildungs-Utopie. Sie wurde nach 1990 eingeleitet im Kontext des europäischen Binnenmarktes und der Gründung der WTO. Der Start wurde 1999 in Bologna gegeben. Durch die Universitätsreform soll sich, nach dem Willen der EU, Europa in den weltweit größten und dynamischsten wissensgestützten Markt verwandeln.
Die Folgen dieser Reform sind vielfältig. Ökonomisch nicht verwertbares Wissen, das vor allem in den Geisteswissenschaften erarbeitet wird, wird nicht mehr gebraucht. Die Forschung wird nicht auf Wahrheit, sondern auf ökonomische Werte verpflichtet. Die Lehre spielt nur noch eine untergeordnete Rolle. Das Studium gilt nicht mehr der Bildung, sondern reproduzierbarem, verwertbarem Wissen. Überall, zwischen und in den Universitäten, herrscht der Wettbewerb. Jeder kalkuliert und evaluiert jeden und sich selbst. Es entsteht ein Wettlauf, um zur Elite zu gehören. Das gelingt nur durch Anpassung an den Zeitgeist. Die neoliberale Universität zerstört die Idee der Bildung, setzt die Lehre herab, verwandelt Studierende in autoritäre Charaktere und läßt die Idee der Wahrheit hinter sich. 

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Die überflüssigen Ideologen

Vortrag und Diskussion mit Magnus Klaue
27. Juni | 19 Uhr | Universität Leipzig (GWZ)| Raum 2.010

Studentische Aktivisten sind sich in ihrem Protest gegen das modularisierte Studium und in ihrem Kampf für „selbstbestimmtes Lernen“ in einem einig: Die Universität soll ein netter, abwechslungsreicher und entspannter „Freiraum“ sein, der einen Vorschein davon in sich trägt, wie eine bessere Gesellschaft aussehen könnte; das vermittelte Wissen sollte „kritisch“, die Studenten sollten eigenständige Individuen statt Lern- und Repetierautomaten sein. Gegenüber solchen im schlimmsten deutschen Sinn idealistischen Vorstellungen von Universität und Bildung soll der Vortrag an einige Basisbanalitäten materialistischer Kritik erinnern: Wissen unterscheidet sich nicht in kritisches und Herrschaftswissen, sondern ist immer geprägt von der gesellschaftlichen Ordnung, die es hervorbringt; Universitäten waren ihrer Bestimmung nach nie etwas anderes als ideologische Kaderschmieden und haben stets nur in glücklichen historischen Augenblicken Erkenntnis hervorgebracht, die dieser Bestimmung radikal widerspricht; und am besten waren die bürgerlichen Bildungseinrichtungen immer dann, wenn sie ihren Insassen die Freiheit zum Objekt, die unreglementierte Beschäftigung mit dem selbstgewählten Gegenstand, wenigstens nicht verbauten, statt unverwechselbare, freie und bunte Persönlichkeiten aus ihnen machen zu wollen. 

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„Gescheites Rindvieh“ – Über die Volkswirtschaftslehre als die Kunst, das Unbegreifliche des Kapitals zur gefälligen Ideologie zu rationalisieren

Vortrag und Diskussion mit Joachim Bruhn
4. Juli | 19 Uhr | Universität Leipzig (GWZ)| Raum 2.010

Daß Wert, Geld, Kapital keine sog. „Funktionen“ haben, die sich definieren, mathematisieren, sodann instrumentalisieren ließen, sondern vielmehr das prozessierende Verhältnis der falschen Gesellschaft zu sich selbst darstellen, d.h. die permanente Vermittlung des Unglücks, das geht den Nationalökonomen über die Hutschnur und bringt sie systematisch um die Vernunft. Denn die Ideologie des Geldes schließt das Dritte der Vermittlung systematisch aus, und der daraus entspringende Denkzwang des Verstands kollabiert an sich selbst. Die Antinomie des Denkens, die aus dem „Geldrätsel“ (Marx) folgt, muß unbedingt gedacht werden, kann dies aber überhaupt gar nicht: daß der im Geld erscheinende Wert, daß diese Selbstidentifikation als ein Verhältnis der unmittelbaren Gleichzeitigkeit von These und Antithese, von „sowohl als auch“ einerseits, von „weder – noch“ andererseits erscheint; daß der Wert die Logik in einem konstituiert wie zugleich überschreitet, das läßt noch das scharfsinnigste Rindvieh und den gewitzigsten Idioten, ob nun Keynesianer oder Neo-Liberaler, kirre werden; und deshalb übergibt es sich letzten Endes der letzten Instanz: dem Souverän. Kann man das verstehen? 

May 11, 20134 notes
#ak gesellschaftskritik #leipzig #uni #vorträge #klaue #stapelfeld #bruhn
She Will Destroy You Cocteau Twins

magicalhime:

she will destroy you // cocteau twins

May 11, 201320 notes
#cocteau twins #dream pop #she will destroy you
The Burden Of Reflecting Saetia

l0ser-irl:

Saetia - The Burden of Reflecting

May 11, 201372 notes
#saetia #hardcore #screamo #skramz #the burden of reflecting
Anhören

pitypartypoorme:

Orchid - Boy With No Arms

I can’t make you happy
I can’t even make you feel anymore

May 11, 2013390 notes
#orchid #hardcore #screamo #skramz #chaos is me #boy with no arms
May 11, 2013111 notes
#hardcore
“Da das Petitionsrecht eine, wenn man so will, uralte Sehnsucht der Abhängigen stillt, sich bei den Mächtigen Gehör zu verschaffen, kann es in seiner manipulativen Bedeutsamkeit nicht hoch genug eingeschätzt werden: ein noch so radikaler Protest gegen Willkür und Machtmißbrauch wird in eine Anerkennung der bestehenden Ordnung umgemünzt, wenn er sich in eine Petition umsetzen läßt. Organisiert die Gewerkschaft anstelle eines politischen Streiks eine revolutionär gehaltene Massenpetition, so braucht das Parlament sich vor den Arbeitern nicht fürchten.” —Johannes Agnoli: die Transformation der Demokratie (via idiosynkrasien)
May 11, 201314 notes
#agnoli #petition #manipulation #schein #rebellion #ideologie #demokratie #postpolitik #postdemokratie
May 11, 201382 notes
#job #no #thanks #i'm #fine
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eyhier:

Zwi: Der unabgegoltene Georg Lukács

60 Minuten ergänzende Ausführungen von Peter Christoph Zwi zu Lukács Konversion zum Christentum & zum leninistischen Parteikommunismus, seiner Ausblendung des Antisemitismus und der Abarbeitung seines frühen, romantischen Antikapitalismus.

Anlässlich der Hamburger Veranstaltungsreihe “90 Jahre Georg Lukács’ »Geschichte und Klassenbewusstsein« (1923)”:

May 11, 201315 notes
#lukács #zwi #kommunismus #antisemitismus #antikapitalismus #christentum #geschichte #klassenbewußtsein #romantik #unabgegolten
“…die gesehene Welt ist nicht ‘in’ meinem Leib, und mein Leib ist letztlich nicht ‘in’ der sichtbaren Welt: als Fleisch, das es mit einem Fleisch zu tun hat, umgibt ihn weder die Welt, noch ist sie von ihm umgeben. […] Es gibt ein wechselseitiges Eingelassensein und Verflochtensein des einen ins andere.” —Merleau-Ponty 1994, S. 182 (via henrikemeyer)
May 9, 20138 notes
#welt #leib #fleisch #merlau-ponty #eingelassensein #verflochtensein
Web In Front (Archers Of Loaf) Code Orange Kids

codeorangekids:

ingridbergmen:

code orange kids covering archers of loaf

near perfect song

check this out! i don’t think a lot of people did

May 8, 2013110 notes
#code orange kids
May 8, 20135 notes
#8.mai #befreiung
“Die »Gefahr des falschen Denkens« (Krejci 1992, S. 10) ist für Bion, wie die Bion-Übersetzerin Erika Krejci schreibt, nicht nur auf Menschen mit pathologischen Zustandsbildern und psychiatrischen Diagnosen begrenzt; die Gefährdung durch »Scheinrationalität, die bei allem abstrahierenden Denken gegeben ist« (ebd.; Hervorh. G.C.), betrifft jeden Menschen von Beginn seines Lebens an und wird damit zum Gegenstand allgemeiner epistemologischer Überlegungen. Krejci formuliert diesen Zusammenhang noch einmal in einfachen und prägnanten Worten: »Sprache bietet keine Gewähr dafür, daß das, worüber gesprochen wird, auch existiert. Falsches Denken verstellt uns den Zugang zur Realität. Wir geraten in die Gefangenschaft von Worten, wenn diese nicht auf etwas Wirkliches verweisen, da einmal geprägte Vorstellungen ein Eigenleben entfalten. Die Erhellung der Wirklichkeit ist das Unterscheidungskriterium für richtiges bzw. falsches Vorgehen« (ebd.).” —GIANLUCA CREPALDI: Bion und Kant. Psychoanalytisch-philosophische Überlegungen zu »O« als »Ding an sich«. Psyche – Z Psychoanal 67, 2013, 432–457
May 8, 20132 notes
#falsches denken #scheinrationalität #abstraktion #sprache #realität #wirklichkeit
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